Kritische Fragen zum geplanten „Quartier Siekhof“ – Ortsentwicklung mit Augenmaß statt zusätzlicher Flächenversiegelung

Die Ortsgruppe von Bündnis 90/Die Grünen Sachsenhagen sieht das geplante Bauvorhaben „Quartier Siekhof“, über das in der kommenden Gemeinderatssitzung am 16. März beraten werden soll, mit großer Sorge und erheblichem Klärungsbedarf.


Mit dem Ratsbeschluss vom 26.08.2024 wurde dem Vorhabenträger grundsätzlich ermöglicht, die Planungen weiterzuverfolgen – allerdings unter klaren Voraussetzungen: Der Gemeinde dürfen keine Kosten entstehen, ökologische Ausgleichsmaßnahmen müssen umgesetzt werden, eine sichere Querung der Steinhuder Straße ist zu gewährleisten und ein ganzheitliches Konzept für betreutes Wohnen beziehungsweise Tagespflege soll entwickelt werden.

Nun soll mit dem Abschluss eines städtebaulichen Vertrages die Aufstellung eines Bebauungsplanes vorbereitet werden. Vorgesehen ist unter anderem der Bau eines REWE-Marktes auf der bisherigen Koppel des Reiterhofes sowie zusätzliche Wohnbebauung mit betreutem Wohnen im rückwärtigen Bereich.
Aus Sicht der Grünen stellt sich jedoch die grundlegende Frage nach der Notwendigkeit eines weiteren großflächigen Einzelhandelsstandortes in Hagenburg. Bereits heute verfügt der Ort mit dem inhabergeführten EDEKA-Markt sowie einem modernen Aldi-Markt über eine gute Nahversorgung. Ergänzend stehen im benachbarten Steinhude mit Lidl und Combi weitere Einkaufsmöglichkeiten in unmittelbarer Nähe zur Verfügung.

Ein zusätzlicher Supermarkt droht daher weniger die Versorgung zu verbessern, sondern vielmehr bestehende Strukturen zu schwächen und langfristig negative Auswirkungen auf gewachsene örtliche Betriebe zu haben.
Besonders kritisch bewerten wir zudem die geplante Bebauung im Bereich Altenhagen. Das Vorhaben würde den bisherigen Charakter dieses Ortsteils nachhaltig verändern. Gleichzeitig bedeutet das Projekt eine weitere Versiegelung bislang unbebauter Flächen – zu einer Zeit, in der Klimaanpassung, Regenwassermanagement und der Erhalt von Freiflächen zunehmend an Bedeutung gewinnen.

„Ortsentwicklung muss sich am tatsächlichen Bedarf orientieren und darf nicht allein von Investoreninteressen bestimmt werden“, erklärt Markus Busse, der Sprecher der Ortsgruppe der Grünen Hagenburg. „Wir brauchen eine nachhaltige Entwicklung, die Lebensqualität erhält, statt zusätzlichen Verkehr zu erzeugen und wertvolle Freiflächen dauerhaft zu verlieren.“

Die Grünen Hagenburg fordern daher vor einer weiteren Planung:

  • eine transparente Bedarfsanalyse zur Nahversorgung,
  • verbindliche ökologische Ausgleichsmaßnahmen vor Satzungsbeschluss,
  • ein überzeugendes und sozial tragfähiges Konzept für betreutes Wohnen,
  • sowie eine umfassende Bürgerbeteiligung bereits im frühen Planungsstadium.

Die Entscheidung über den städtebaulichen Vertrag darf aus unserer Sicht kein rein formaler Schritt sein, sondern muss eine grundsätzliche Abwägung der langfristigen Ortsentwicklung beinhalten.
Bündnis 90/Die Grünen – Ortsgruppe Hagenburg setzt sich weiterhin für eine nachhaltige, sozial gerechte und flächenschonende Entwicklung unserer Gemeinde ein.

Update: Nachdem die Bevölkerung auf die Maßnahme durch uns Grüne informiert wurde, kam es zu einer lebhaften Diskussion in den sozialen Medien. Auch die Ortsratssitzung am Montagabend in Hagenburg war ungewöhnlich gut besucht. Viele Bürgerinnen und Bürger nutzten die Gelegenheit, um sich vor Ort über die Pläne für die Pferdekoppel an der Kreuzung in Altenhagen zu informieren und ihre Meinung einzubringen.

Der entsprechende Tagesordnungspunkt wurde nicht nur im Gremium, sondern auch gemeinsam mit den anwesenden Besuchern diskutiert. Dafür wurde die Ratssitzung unterbrochen und anschließend wurden verschiedene Argumente ausgetauscht – sowohl Befürworter als auch Kritiker des Vorhabens kamen zu Wort. Themen waren unter anderem die Nahversorgung, der Flächenverbrauch, die Auswirkungen auf die Verkehrsführung sowie auf das Ortsbild.

Nach der lebhaften Diskussion kam es schließlich zur Abstimmung im Ortsrat. Es kam zu einem Patt von 6:6 Stimmen. Durch dieses Patt fand der Beschluss keine Mehrheit. Damit gilt der Tagesordnungspunkt als abgelehnt. Das geplante Vorhaben wird in dieser Form zunächst nicht weiterverfolgt.